Aufschlussreich für die beabsichtigte Intonation (Klanggebung) war der Eindruck, dass sich die großen barocken Orgeln gar nicht so sehr durch imposante Klangkraft, als vielmehr Majestät, mit barocken Worten „Gravität“, Eleganz (Silbermann nennt es „delikat“), vor allem aber eine farbige, ausdrucksvolle, gesangliche Intonation ihrer Einzelstimmen auszeichnen. Deshalb hatten wir das 3. Ziel Agricolas ein wenig modifiziert, wie es Heinemanns Orgeln – immerhin eine Generation jünger als Silbermann – eher entsprochen hat: eine „prächtige und cantable Intonation“.
Im Oktober 2012 entstand unser Konzept für die neue Orgel. Anfang 2013 stellten wir es den Gemeindevertretern in Nidda vor. Kurz danach besichtigte die Kirchgemeinde die unmittelbaren Vorbilder und Referenzinstrumente für das Niddaer Orgelkonzept: die restaurierte Creutzburg-Orgel in Duderstadt und unsere neue Orgel im mitteldeutschen Barockstil in der Ev. Kirche in Prag von 2011 mit 48 Registern. Nach vielen Gesprächen und neuen Lösungsideen mit OSV Thomas Wilhelm, Dekanatskirchenmusikerin Daniela Brinkmann und nicht zuletzt Herrn Dr. Christian Nachtmann wurde das Angebot überarbeitet. Wir freuten uns sehr, als uns Pfarrer Martin Schindel im November die Zusage der Gemeinde übermittelte – und genügend Zeit für den Bau der Orgel bis zum Kirchenjubiläum 2018.
Die Ausschreibung sah eine Orgel vor, die – wie jetzt realisiert – 24 Register, 3 Vorabzüge und einige Transmissionen umfassen sollte – deutlich mehr als die vorhandene Orgel, und dabei mit durchschnittlich größeren Registern. Begrenzend wirkte sich die Platzsituation aus: Die geringe Höhe ließ sich nicht ändern, die Breite war durch die nächsten Fenster begrenzt, die nicht verdeckt werden sollten, und ein Vorziehen des Gehäuses war maximal bis zur Empore um wenige Dutzend cm möglich. Trotzdem sollte das neue Werk gut zugänglich sein, und auch die Pfeifen ausreichend Platz erhalten, um ihren Klang in den Kirchenraum abzustrahlen.
Damit ergab sich die Notwendigkeit, die seitlichen Anbauten des Gehäuses neu anzulegen – zum Einen, um sie etwas breiter und so weit wie möglich nach vorn zu ziehen, zum Anderen, um sie im Stile Heinemanns optisch wirksamer und ansehnlicher neu zu gestalten. Vorbild waren die großen Orgeln Heinemanns z.B. in der Stiftskirche Wetter oder in Wetzlar, wo seitlich der Manualprospektfelder zwei große harfenförmige Pfeifenfelder angefügt sind.
Dieses Motiv übernahmen wir für Nidda, freilich etwas verkleinert. Damit sie hinter dem seitlichen Schnitzwerk (den sogenannten „Ohren“) sichtbar werden, fügten wir je ein etwas kleineres, gegenläufiges Harfenfeld als Verbindungsglied ein.
Später wurde noch die Pfeifenabfolge der Verbindungs-Harfenfelder umgekehrt, wie sie schließlich jetzt realisiert wurde. Der Gehäuseunterbau und die Seitenwände waren nur teilweise von Heinemann erhalten. Die modernen Zusätze von 1961 wurden entfernt. Die neuen seitlichen Gehäuseteile sind im Stil barocker Orgeln um 1780 in Rahmen-Füllung-Bauweise aus Nadelholz ergänzt.
Wir für Barockorgeln typisch, erhält unsere neue Orgel einen Spielschrank. Er ermöglicht eine platzgünstige Sitzposition des Organisten und lässt vor allem die Anlage einer hängenden Spieltraktur mit einarmigen Tastenhebeln zu, wie es Barockorgeln im mitteldeutschen Raum zumeist besaßen. Solche Instrumente zeichnen sich durch eine sehr direkte, sensible und anschlagsfreudige Traktur (Spielweise) aus. Die Trakturen verzichten dennoch nicht auf moderne Technik, die für die Klimastabilisierung nötig ist, und sind selbstspannend eingerichtet. Das Design des Spielschranks mit den gedrechselten Registerknöpfen folgt der generellen Gestaltung barocker und frühromantischer Orgeln, will aber nicht verbergen, dass es kein Original, sondern eine neue Orgel des 21. Jahrhunderts ist.
Der innere Aufbau der Orgel folgt dem Prospekt: Hinter den 5 kleineren Mittelfelder des historischen Heinemann-Gehäuses steht das II. Manual, das Positiv, mit dem Geigenprincipal 4′ im Prospekt. Das Hauptwerk ist in zwei seitliche Hälften geteilt, die hinter den großen Harfen-Prospektfeldern stehen. Hier konnten sie tiefer platziert werden, sodass über ihnen genügend Höhe für die großen 8′-Register des Hauptwerks ist. Das Pedal steht – wie schon bei Gottfried Silbermann – hinter den Manualwerken fast über die ganze Breite. Nur in der Mitte ist eine Lücke, durch die die Balganlage zugänglich ist. Sie besteht aus einem elektrischen Ventilator im Schallschutzumhausung, einem Vorbalg zur Windberuhigung und zwei Keilbälgen in historischer Bauweise in der Größe von 6′ x 4′ (etwa 1,8 x 1,2 m). Um den Platz optimal auszunutzen, sind die Bälge in die Fensternische hinter der Orgel eingerückt. Gerade die barocken Keilbälge geben der neuen Orgel eine lebendige Windversorgung, die spürbar atmet und sich bei starkem Spiel auch hörbar erregen lässt.
Zwischen den Manualwerken und dem Pedal verläuft quer durch die ganze Orgel der Hauptstimmgang, von dem alle Pfeifen und die Technik der Spielanlage zugänglich sind. Im mittleren Bereich hinter dem Positiv verläuft er dafür in zwei Ebenen. Das gesamte innere Tragwerk der Orgel ist aus massivem Nadelholz (Fichte).
Die gesamte Spieltechnik funktioniert rein mechanisch, wie bei barocken Orgeln. Auch die Spielanlage folgt stilistisch den Vorbildern dieser Zeit, ohne Kopie sein zu wollen. Alle Windladen sind Schleifladen, einem System zur Verteilung des Windes auf jede einzelne Pfeife, das seit Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut wird und im Barock das fast ausschließlich übliche System war. Die Laden des Hauptwerks und Pedals sind symmetrisch in C- und Cs-Seite aufgeteilt; die Lade des Positivs ist ungeteilt, aber ihre Pfeifen sind ebenfalls symmetrisch angeordnet.
Alle Metallpfeifen sind neu und wurden aus den typischen Legierungen gegossen: die Prospektpfeifen und Innenreihen der Principale sind aus 87,5% Zinn, die Flöten-, Streicher- und Aliquotreihen je nach dem beabsichtigen Klangcharakter aus 75%, 50% und 30% Zinn. Der übrige Bestandteil ist Blei sowie die im historischen Orgelbau üblichen Spurenelemente Antimon, Wismut und Kupfer. Sie sind wichtig für die langfristige Stabilität des Metalls. Die Prospektpfeifen wurden doppelt abgezogen und poliert und erhalten dadurch den angenehmen Glanz. Die Holzpfeifen wurden aus langjährig abgelagerten und ausgesuchten einheimischen Hölzern hergestellt, insbesondere Fichte, Ahorn und Birnbaum.
Die Klänge der neuen Barockorgel
Das große 8′-Pleno des Hauptwerkes (I. Manual) bildet das Klanggerüst der Orgel. Principal 8′ aus Zinn, dessen Pfeifen E-h° im Prospekt stehen, ist sonor-kraftvoll, tragfähig, singend und gut zeichnen. Die Octaven 4′ und 2′ bilden die Aufhellung, beide etwas runder und gut mischend. Quinte 2 2/3′ stellt eine wichtige Vorstufe beim Aufbau des Plenos dar. Die Klangkrone ist in der Tradition der großen Silbermannorgeln eine nur 4fache, dafür brillante und leuchtende (nicht scharfe!) Mixtur (mit C-Repetitionen; auf c′′ kommt zuerst der 8′, der 5 1/3′ folgt erst auf cs,′′′ d.h. außerhalb des barocken Ambitus c′′′). Die für Heinemann typische Sesquialtera haben wir zum Cornett ausgebaut, dem so typischen Soloregister des mitteldeutschen Barock. Er öffnet die Orgel zusätzlich für französische Barockmusik, die Inspiration für den Klangstil G. Silbermanns war. Im Unterschied zur principalischen Sesquialtera erhält Cornett zum Diskant hin weitere Mensur mit 3 bis 4 Chören, sodass er als Solostimme cornettartige Brillanz und Rundung erhält. Er kann aber auch ins Pleno hineingezogen werden, um den für viele Orgellandschaften typischen Terzenklang zu erzeugen. Um den Platz ökonomisch auszunutzen, sind Superoctava 2′ und Quinta 3′ als Vorabzüge aus der Mixtur bzw. aus dem Cornett gebaut.
Den Principalstimmen stehen mehrere charaktervolle Flöten- und Streicherregister zur Seite. Sie betonen Charakter und Farbigkeit. Ihre Stärke liegt in der solistischen Verwendung, in der ihre Individualität besonders zum Tragen kommen kann. Viola di Gamba 8′ ist spätbarock bzw. frühromantisch gedacht: immer noch mit der typischen Darmsaitengamben-Ansprache, aber doch schon mit einem präzisen Körperton. Die trichterförmige Bauweise nach Zacharias Hildebrandt ist dafür vorzüglich geeignet. Die Hohlflöte 8′ verstehen wir als barocke Soloflöte, wie es sie schon um 1730 bei H. G. Trost gibt (Schlosskirche Altenburg): mit samtig weichem Baß, nicht zu dick und mit Leuchtkraft im Diskant – so kann sie auch als Begleitstimme und Basis für die Spitzflöth dienen. Die Spitzflöth 4′ mit sanft verklärt-nasalem Klang im Bass hellt sich zum Diskant lieblich hell auf; die Basslage ermöglicht oktaviert eine zusätzliche Begleitklangfarbe und hellt zugleich die übrigen 8′ auf. Eine besondere Bereicherung ist die Unda maris 8′ im Hauptwerk, die einige wenige Schwingungen tiefer gestimmt ist als die übrigen Register. Zusammen mit einem der 8′-Register ergibt sie einen sphärisch im Raum schwebenden Klang von bezaubernder, fast rührender Schönheit. Sie beginnt ab c° (in den 12 tiefsten Tönen ist die Schwebung nicht so wirksam).
Die klangliche Krönung bildet die Trompete 8′ als Zungenregister in der Bauweise nach Gottfried Silbermann mit Ring und Nuss (ab c°): festlich und brillant, mit schmetterndem Ton, aber dennoch von kultivierter Lautstärke, sodass sie sich elegant in das Labialensemble einfügt und es nicht dominiert.
Das Positiv (II. Manual) ist in erster Linie als Farbwerk konzipiert, wie z.B. bei den Gabler-Orgeln in Süddeutschland (Weingarten). Es betont die Solofähigkeit sowohl der Einzelstimmen als auch ihrer Mischungen. Doch fehlt auch die Plenofähigkeit nicht, die bei Orgeln dieser Größe zur Grundausstattung barocker Orgeln aller Landschaften gehört. Der tragende Principal ist als enger barocker Geigenprincipal 4′ nach dem Vorbild H. G. Trosts gebaut und steht sichtbar im Prospekt (C-B, c°-cs‘‘ und 14 stumme). Auf ihm baut die Cymbel 3fach als Klangkrone auf. Cymbel verdoppelt partiell die Mixtur, nur ihr höchster Chor steht über der Mixtur; klangliche Schärfung erhält sie durch die engere Geigenprincipalmensur. Aus ihr ist als Vorabzug die Sifflöth 1′ entlehnt, die mit ihrem glockenspielartigen Ton ein hell glitzerndes Vorpleno bilden kann oder z.B. das markige „Stahlspiel“ nach Gottfried Silbermann. Um den Vorabzug zu ermöglichen, repetiert die Cymbel erst auf f° in 1 1/3′ und a′ in 2′. Bei der dritten Repetition auf cs′′′ repetiert dann auch die Sifflöth – hat aber dann den barocken Ambitus bis c′′′ erreicht.
Das klangliche Fundament bildet Gedackt 8′. Es ist rund, im Bass tragend und grundtönig, im Diskant lieblich und klar. Flaut douce 4′ bringt einen charmanten, hellen Flötenton mit guter Mischungsfähigkeit ein. Den Flötenchoraufbau führt die Waldflöte 2′ logisch fort als konische Metallflöte mit hellem, pfiffigen und perligen Ton. Diese Register bilden eine gute Basis für die beiden Aliquotstimmen Nassat 2 2/3′ und Tertia 1 3/5′, die wir als zerlegtes Cornett (Cornet decomposé) sehen und intonieren. Sie sind insgesamt runder, weicher als Sesquialtera im Hauptwerk und somit auch als Echocornett geeignet.
Auch das Positiv erhält eine reiche, farbige Grundstimmenbesetzung: Salicional 8′ als sanfter Streicher erhält einen weichen, noblen Charakter und hebt sich damit von der markanteren Gamba ab. Quintadena 8′ im Positiv erhält den charaktervollen, zeichnenden Ton mit der typischen Quintierung. Sie ist vor allem Solostimme und daher nicht zu mager, lässt sich aber auch gut mit den übrigen Grundstimmen mischen. Das feinste, charmanteste Register ist aber die Flauto traverso 8′, der barocken Querflöte nachgebildet und schon um 1700 im hessisch-thüringischen Orgelbau präsent. Sie ist das einzige Register im Manual, das durchgehend Holzpfeifen hat. Die 12 tiefsten Töne sind gedeckt und werden mit dem Gedackt gemeinsam genutzt; ab c° sind die Pfeifen offen, ab fs′ haben sie doppelte Länge und blasen über wie bei einer richtigen Querflöte. Der ausdrucksvolle, zart verrauchte Ton ist ein wundervolles Soloregister. Daneben können sich die sechs Grundstimmen 8′ und 4′ wunderbar mit einander mischen und jedesmal neue Klangtönungen erzeugen, die die Orgel auch gut für Musik der Frühromantik, z.B. von Mendelssohn-Bartholdy, geeignet machen.
Zwei ausdrucksstarke Zungenregister bereichern das Positiv. Vox humana 8′ ist in der mitteldeutschen Bauweise nach Heinrich Herbst (Lahm/Itzgrund) gebaut, mit 4′-langen Bechern und einem tragfähigen, vokal singenden Klang, der sich als markanter Solist hervorhebt, aber auch im Labialensemble einbringt (z.B. auch für französische Musik). Fagott 16′ haben wir nach der außergewöhnlichen Bauweise nach Zacharias Hildebrandt (im Rückpositiv der Naumburger Wenzelskirchenorgel von 1746) gebaut. Bach hat ein solches Fagott in seinen Dispositionen gewünscht als Continuobassregister. Die spezielle Bauweise ergibt einen abgerundeten, kehligen Basston mit einer perlend-präzisen Ansprache und einem äußerst natürlichen Barockfagottklang. Aber nicht nur die, sondern die Diskantlage ergibt ein wunderbar lyrisches Soloregister mit dem Timbre der Oboe d’amour. Beide Register werden sehr aufwändig in unserer Werkstatt selbst hergestellt – aber der Aufwand lohnt sich und gibt der neuen Niddaer Orgel eine besondere, individuelle Note.
Der Tremulant (in barocker Bauweise als Kanaltremulant für das Positiv) belebt gefühlvoll durch sein sanftes Vibrato getragene Solomischungen, aber auch einzelne Grundstimmen.
Das Pedal enthält das klassische Bassensemble sächsisch-thüringischer Barockorgeln dieser Größenklasse: ein runder, grundtöniger und tragfähiger Subbass 16′ und ein gut zeichnender, nicht zu dicker Octavbass 8′ als Labialstimmen. Dazu der Posaunenbass 16′, dem wir die Bauweise Gottfried Silbermanns mit belederten Bleikehlen und Bechern aus Holz in voller Länge gegeben haben. Sein Klang zeichnet sich durch einen wunderbar weichen, grundtönigen, vollen und präzise ansprechenden Basston aus, der bereits nur mit Principal 8′ spielbar ist, aber zum Pleno hin zu profunder Fülle anwächst. Die tiefsten Becher – über 4 Meter lang – sind abgewinkelt, um unter die niedrige Decke zu passen.
Zur Erweiterung der klanglichen Differenzierungsmöglichkeiten erhält das Pedal Transmissionen aus dem Hauptwerk, wie sie in Thüringen zur Bachzeit verbreitet waren (z.B. an den Trost-Orgeln in Altenburg und Großengottern). Damit kann das Pedal 4 weitere Register erhalten, die seine Farbigkeit und Solofähigkeit erweitern, aber wg. des begrenzten Platzes sonst nicht möglich wären. Es sind Gambenbass 8′, Flautbass 8′, Octav 4′ und Trompetenbass 8′, die alle die entsprechenden Pfeifen im Hauptwerk anspielen – unabhängig von der Anspielung durch das I. Manual. Die betreffenden Register werden also doppelt genutzt.
Die Manualkoppel ermöglicht die Verbindung beider Manualwerke, die 2 Pedalkoppeln bringen vielseitige Kombinations- und Aufhellungsmöglichkeiten, bis hin zum majestätischen, raumfüllenden Vollen Werk.
Die kleine Krönung setzt der Cymbelstern auf: er bewegt 6 kleine Schalenglocken aus Messing. Im Barock war dieses Register in der Weihnachtszeit und an Festtagen beliebt. Beliebt waren auch Spielereien wie z.B. Vogelgesang oder Kuckucksruf. Bei einer Eule-Orgel lässt sich daher sicher leicht erraten, was die Vox strigis ist…
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Intonation (die Klanggebung jeder einzelner der 1.658 Pfeifen), der unsere Intonateure einen erheblichen Zeitaufwand widmen. Die vielfältigen Klangfarben der Orgel sollen sich untereinander gut mischen und zu einem gemeinsamen Klangbild verschmelzen; aber auch die drei Teilwerke der Orgel sollen miteinander harmonieren. Die Intonation gibt also der Materie (der Disposition und den Pfeifen) die klangliche Seele. Dies erfordert ein wohldurchdachtes Klangsystem und sensible, erfahrene Intonateure. Alle Pfeifen wurden zunächst in der Werkstatt gleichmäßig vorintoniert. Die endgültige Intonation erfolgte aber erst in der Stadtkirche in Nidda, wo jedes Register auf den Klang im Raum überprüft und angepasst wurde.
Für die Orgel wurde der heutige Stimmton von a′ = 440 Hz bei 15° C vorgesehen. Die Stimmungsart ist hingegen leicht ungleichschwebend, d.h. „wohltemperiert“. Dieses Stimmsystem begünstigt einen strahlend reinen Klang der Tonarten mit wenigen Vorzeichen, welche im 18. Jahrhundert noch deutlich häufiger gespielt wurden als Vorzeichenreiche; letztere erklingen dadurch mit etwas Reibung und erhalten eine Akzentuierung. Dies macht vor allem barocke Musik besonders lebendig und plastisch.